Archiv

Veranschaulichungen.... nicht ganz jugendfrei ; ))

Update

Also, ... ich will mal ein bisschen was aufarbeiten, was ich hier in den letzten Tagen nicht bloggen wollte oder konnte oder keinen Bock zu hatte oder was auch immer...

Da ist die Sache mit Sandra, .. die mit der kriminellen Vergangenheit und der nun allerletzten Chance ... Ihr erinnert Euch? Das Geschropperl wollte auf jeden Fall die Fortsetzung hören... Also, wir hatten ein Gespräch mit der Schülerin, der Sozialpädagogin und mir von Schulseite, der Bewährungshelferin und der zuständigen Erzieherin aus dem Wohnheim, in dem sie jetzt wohnt. Ich habe die Fakten auf den Tisch gelegt, ...Fehlzeiten, Noten, Absprachen und wie sie eingehalten wurden oder eben nicht und die zwei Externen staunten nicht schlecht. Dass Sandra 2 Wochen die Schule nicht besucht hatte, war nicht durchgedrungen und die Begründungen dafür waren mehr als fadenscheinig. Sie machte einen Versuch der Rechtfertigung, aber den konnte ich gleich abschmettern und so sah sie wenigstens ein, dass es absolut logisch wäre, sie auszuschulen. 

Nun, das wollte sie jetzt doch wieder unter allen Umständen vermeiden. So sind wir dann nach vielem Hin und Her zu der Vereinbarung gekommen, dass alle Anwesenheitszeiten dokumentiert und abgezeichnet werden und so ein direkter Austausch von Informationen zwischen den beteiligten Parteien sichergestellt wird. Das funktioniert überraschend gut. Sie hat tatsächlich bis Donnerstag nicht mehr gefehlt. Donnerstag hat sie sich krankgemeldet... 

Der zweite Problemfall, der Junge mit den Drogen, .. entwickelt sich leider überhaupt nicht positiv. Er hat ein sehr schlechtes Zwischenzeugnis bekommen (die FOR ist nicht in erreichbarer Nähe) und fehlt zunehmend. Ich hab einen Termin für den Disziplinarausschuss festgemacht, das heißt "Androhung der Entlassung von der Schule". Wenn er danach weiterhin fehlt, ist er weg vom Fenster, ob er nun will oder nicht. Die Sozialpädagogin meint, er sei nicht wegen der Schule hier, ...kann gut sein.

Dann haben sich 2 Leute abgemeldet, eine wegen Problemen in der Klasse und einer, weil er auf ein Sportinternat geht, ... scheint ein großes Fußballtalent zu sein, ..hat jetzt schon 5 mal die Woche bei einem namhaften Verein trainiert. Schön für ihn.
Bringt ein bisschen Aufbruchstimmung rein... mindestens eine weitere Schülerin wird aufhören in der nächsten Zeit, ..wahrscheinlich freiwillig.

Nun, es tut der Klasse gut, wenn sie etwas zusammenschrumpft und die Leute, die keine reele Erfolgschance haben, tun besser daran, sich anderweitig zu orientieren. Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem man sich spätestens entscheiden sollte, wenn das noch was werden soll.

Schicksalsschlag

Also, ... nach einer Woche schülerfrei gings dann gestern wieder zur Sache....Disziplinarausschuss. Ich habe meinen "Problemfall" gemeldet, ...zu viele Drogen, ...zu viele Fehlzeiten.. zu viele Ausreden...  99 Fehlstunden, davon 78 unentschuldigt, ...die Fehlzeiten während des Praktikums nicht mitgerechnet. Viele Gespräche, ..viele Chancen, ...keine Besserung. Hab ihm immer wieder gesagt, er soll sich abmelden, aber dann kamen wieder die Beteuerungen... "Glauben Sie mir, Frau X., ich hab das jetzt im Griff. Ich bin jetzt jeden Tag da und wenn das nicht stimmt, dann können Sie mich sofort rausschmeißen." Ja ja , das hab ich schon öfter gehört... Ich bin einfach  viel zu gutmütig, ...vielleich auch nur inkonsequent, ..egal,... es fällt  mir nicht leicht, jemandem den letzten Stoß zu versetzen.

Der Termin war nachmittags. Er war weder morgens in der Schule noch kam er zu der angesetzten Konferenz, ...nicht entschuldigt, keine Nachricht, ..nichts. Bei der letzten "Chance" hab ich ihm eine ausgefüllte und unterschriebene Abmeldung abgeschwatzt. Der Deal war, ...bei der nächsten Fehlstunde setze ich das Datum ein. Das hab ich also gemacht, abgesegnet von der Schulleiterin.

Heute taucht er wieder auf. Nicht etwa zur 3. Stunde, wie es hätte sein sollen, ..nein, zur 7.  haha...
Ich sag ihm, dass er nicht bleiben kann und wir reden über den Grund. Erzählt er mir was von einem Unfall... Verschaukelt der mich schon wieder? ...
Nein, es stimmt wohl leider, .. eine Schülerin hat es gesehen und es steht tatsächlich in der Zeitung, wie er gesagt hat. Ist mit 2.1 Promille und 'nem zugekifften Kopf mit seinem Auto gegen 'ne Hauswand gefahren, .. unmittelbar vor seinem Haus, das Heck ist dann noch in eine Schaufensterscheibe geschleudert worden, zum Glück ist aber niemand ernsthaft verletzt worden. Nun ist sein Auto hin, der Führerschein weg und er muss die Schäden am Haus zahlen. Da ihn das alles ziemlich mitgenommen hat, ist er am Wochenende auch nicht zu seinem Job gegangen, der ihm daraufhin gekündigt wurde. Kann's noch schlimmer kommen?  Und er gibt wie immer den Sunnyboy... , manchmal blitzt die blanke Verzweiflung durch, ... die Eltern sind entsprechend sauer, haben die ganze Verwandschaft angerufen und die hacken nun auf ihm rum. "Nichtsnutz, Du, nur Ärger und Probleme, ..wie kannst Du das Deinen Eltern antun?" Wir haben 2 Stunden geredet, aber ich bin nicht sicher, dass er wirklich eine Konsequenz daraus zieht,.... wahrscheinlich zieht er sich die nächste Tüte rein und macht mit seinen Kumpels einen auf megacool, ... so was kann mich doch nicht aus der Bahn werfen. ...

Fortsetzung ... als Kommentar zu lang

@ip.salat:

Du stellst wichtige Fragen, die mich auch immer wieder beschäftigen.

Im letzten Schuljahr hatte ich einen sehr ähnlichen Fall. Der Junge war groß und sportlich, wirkte ausgesprochen überheblich und die Mädchen waren reihenweise in ihn verliebt. Er hatte ein erhebliches Aggressionspotential, tickte mehrmals richtig aus und einmal hatte die Sozialpädagogin richtig Angst vor ihm , als sie ihn auf seinen Drogenkonsum angesprochen  hatte. Davon wollte er überhaupt nichts hören. Einmal rief die Mutter an und wollte wissen, ob er in der Schule war, da hatte er sie zu Hause mit einer Zeitung geschlagen.

Er hielt sich 1- 2 Monate richtig gut  und dann baute er gewaltig ab, leistungsmäßig und auch allgemein, fehlte viel und war müde und abgeschlagen. Schnell kamen die Gerüchte bzgl Drogenkonsum auf und er setzte immer nur einen gelangweilten Blick auf, als sei ihm das alles ganz egal. Er war in der Klasse ziemlich allein, hatte nur einen guten Freund, der auch kiffte. Wenn der nicht da war, gesellte er sich zu den beiden Außenseitern, warum habe ich zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich verstanden. Aber die meisten anderen Jungs waren Türken und gegen die hatte er was und die Mädchen ließ er abblitzen. Einmal war er von dreien umringt und sie alberten herum und zupften an ihm rum und er machte auch mit (wir warteten auf einen Fototermin) und plötzlich sagte er: „Nun machen sie doch mal was“ Ich hab die Mädchen dann zurückgepfiffen, war aber eigentlich überrascht über diesen Wunsch.

Er kam dann bald gar nicht mehr und eine Ausschulung war nicht zu vermeiden. Aber ich hatte immer das Gefühl, dass da was war, über das er unbedingt sprechen musste und ich habe lange Zeit immer wieder ein Gespräch angeboten, was er konsequent ablehnte. Eine Zeit lang hat er nicht mal mit mir gesprochen ; )), ich rief zu Hause bei ihm an und er gab mir nur seine Mutter. Irgendwann sagte er genervt: „Nun lassen sie mich doch endlich mal in Ruhe“  Okay, das habe ich ihm zugesichert und auch gemacht. Mit seiner Mutter hatten wir inzwischen Vereinbarungen getroffen, dass er eine Maßnahme beginnen würde und solange noch in der Schule verbleiben sollte. Er tauchte 6 Wochen lang nicht auf, dann kam er plötzlich mitten in der Stunde in den Unterricht und setzte sich hin, als ob nichts gewesen wäre. Die Klasse natürlich am raunen. Ich hab ihn gelassen wo er war und am Ende der Stunde machte er Anstalten wieder zu gehen.  Ich sagte wieder: „Ich hätte ja wirklich gern noch mal ein Gespräch mit Dir geführt“  und er antwortete. „Worüber?“ „Über Dich“ sagte ich und er erwiderte „Wann?“

Um die Sache abzukürzen... weitere zwei Mal hat er den Termin platzen lassen, dann kam er endlich und blieb auch.  Er hatte das Gefühl, alles in seinem Leben falsch gemacht zu haben und da nie wieder rauszukommen. War ein paar Mal polizeilich aufgefallen wegen Drogenbesitz und Körperverletzung und hatte jetzt richtig Schiss, dass er ins Gefängnis müsste. Sozialstunden, die er hätte ableisten müssen, schob er schon lange vor sich her, weil er es nicht gebacken kriegte, einen Termin abzusprechen. Mit der Mutter gab es immer nur Stress, ein Vater war nicht vorhanden. Er hatte richtig starke Zukunftsangst, ... und er hielt sich selbst für einen Feigling. Ja, dieser präsente junge Mann, vor dem die anderen Angst hatten, hielt sich für einen kleinen Feigling. Und ein Hauptgrund für seine Schulverweigerung war die Konfrontation mit seinem Drogenkonsum. Dass die anderen das über ihn sagten, nahm er als eine Form von Mobbing wahr. Deswegen war er schon von 2 Schulen geflogen. Dennoch war er nicht in der Lage, diese Kausalbeziehung zu akzeptieren.

Er hat einen Schub bekommen, kümmerte sich selbst um eine andere Maßnahme, wurde da auch genommen, begann eine Lehre, die er wieder abgebrochen hat, bekam dann einen Praktikumsplatz in einem guten Hotel. Einige Zeit hörte ich von den neuesten Entwicklungen von einer Mitschülerin, die zu ihm Kontakt hatte. Was aus ihm geworden ist, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Er hat mir zwar versprochen, sich gelegentlich mal zu melden, .... aber na ja, das ist dann wohl doch zu schwierig.

Ich denke, viele der wirklich immer wieder enttäuschten und frustrierten Jugendlichen schaffen es ohne Hilfe nicht,  sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen. Allein die Erfahrung, dass da jemand ist, dem sie nicht egal sind, kann einen wichtigen Impuls geben. Weil, ...meistens sind sie sich selbst nicht mehr wichtig. Und wenn man betrachtet, wie hoch die Selbstmordrate bei jungen Männern in dem Alter liegt, so sehen viele keinen Sinn mehr in einem verfahrenen Leben. Ich finde, es lohnt auf jeden Fall, einen Kontakt zu halten. Auf Ignoranz reagieren sie überhaupt nicht, denn die ist ihnen schon viel zu oft begegnet, um als Methode aufzufallen. Natürlich macht es eigentlich keinen Sinn, Aufmerksamkeit auf ein Fehlverhalten zu lenken, aber alles andere wird einfach als Gleichgültigkeit verstanden.

Dennoch mache auch ich immer wieder die Erfahrung, dass sich manchmal  erst wirklich  etwas ändert, wenn  deutliche Konsequenzen gezogen werden. Der Junge hätte sich nie um die Maßnahme gekümmert, wenn er nicht rausgeflogen wäre.

Eine ganz andere Sache ist für mich die Frage nach der Schuld.
Ich kann mich für einen Menschen einsetzen so wie es meinen Möglichkeiten entspricht, kann ihm ein Gespräch anbieten, kann ihn vielleicht bei bestimmten Tätigkeiten unterstützen, vielleicht gehe ich mit ihm zur Drogenberatung oder telefonier rum, dass er einen Job findet, aber ich kann auf gar keinen Fall eine Verantwortung dafür übernehmen, wie es ihm damit geht. Deswegen tue ich auch immer nur etwas, wenn der Betreffende das auch will und ich mache ihm auch klar, dass letztendlich er das umsetzen muss. Dass ich mich freuen würde, wenn es gelingt, aber dass ich nichts herbeizaubern oder versprechen kann. Und wenn es mir damit nicht gut geht (manche klammern oder setzen mich mit ihren Erwartungen unter Druck), dann muss ich für mich sorgen und den Kontakt abbrechen. Auch das erkläre ich und bekomme dafür absolutes Verständnis. Und sollte sich jemand anschließend vor nen Zug schmeißen, so weiß ich wenigstens, dass ich  was versucht habe. Er hätte es auch gemacht, wenn ich nichts getan hätte. Jeder, der den Freitod wählt, hat sich bewusst dafür entschieden, ..welche Gründe auch immer dazu geführt haben. Bedeutsamer sind die Selbstmordversuche, die eher dazu bestimmt sind, auf sich aufmerksam zu machen.

im Altenheim

Eine Klasse ist im Moment zum Praktikum im Altenheim.
Im letzten Jahr haben wir ein Heim mit revolutionärem Konzept besucht und sind dort sehr anschaulich in deren Grundsätze eingeführt worden.
Durch intensive bildhafte Darstellungen werden die Erinnerungen der alten Leute angesprochen und so eine Orientierung erleichtert. Jede Etage hat ein eigenes (Bild-)Motto und dieses kann man auch direkt erkennen, wenn die Aufzugtür sich öffnet. Man landet halt sicherer bei den Sonnenblumen als z.B. auf der 2. Etage. Überall findet man alte Einrichtungsgegenstände, z.B. ein Gramofon oder einen alten Waschzuber, Tischdecken erinnern mich an Omas Wohnung und überall hängen Bilder und Fotos aus vergangenen Zeiten. Es gibt Hunde und Kaninchen, Vögel und ein Aquarium und nachmittags kommen ein paar Kinder aus dem nahegelegenen Kindergarten zu Besuch. Manche alte Leute sind noch so fit, dass sie ihnen gerne etwas vorlesen oder Bücher mit ihnen anschauen.
Besonders niedlich fand ich die Gestaltung der Toiletten... )
Das eine Bild zeigt die Außenansicht und das andere ein Detail im Inneren der Herrentoilette ...*gg* ....neeeeinn, ich habe das Bild nicht aufgenommen.... Ein Schüler erzählte nach seinem Besuch der Örtlichkeiten davon und hat es direkt dokumentiert *lach*
Übrigens... die Bilder hingen erst zwischen den Urinalen..., man musste sie umhängen, ... die Putzfrauen beschwerten sich.
Die Damen haben übrigens nicht auf gleichem Recht für alle bestanden.