Archiv

Immer wieder eine Überraschung...

Donnerstags ist das Risiko immer am größten. 2 Klassen aus dem Berufsschulpflichtbereich, bei denen nie einzuschätzen ist, wer nun kommt und ob sie denn auch in der letzten Woche da waren. Die eine Klasse strebt den Hauptschulabschluss an. Bei einigen sind die Möglichkeiten einfach beschränkt, bei anderen liegt es eher an der Motivation bzw am Fehlen derselbigen.

In der letzten Woche waren die 2 leistungsstärksten Mädels voll auf Verweigerungskurs... alberten rum, kicherten, quatschten, spielten mit dem Handy,... sehr nervig. Hielten mich davon ab, anderen zu helfen, die die Hilfe wirklich gebraucht hätten. Dompteur... ständig musst Du mit der Peitsche knallen. Entsprechend voreingenommen ging ich diesen Donnerstag schon rein. Und.... wahre Engelchen, ich war begeistert... Sie rechneten Ruckzuck das, was sie letztes Mal gebummelt hatten und noch 2 weitere Blätter, die die anderen überhaupt nicht hätten rechnen können. Konzentriert, allein, richtig. Ich war begeistert. Guuute Mädels.

Genaues Gegenteil bei einem Jungen. Der hatten die letzten Stunden richtig gut gearbeitet, nachdem er 4 Wochen gar nicht da war. Aber diesmal hatte er sich wohl schon in der Vorstunde mit der Kollegin angelegt. Die hatte ihm daraufhin das Handy abgenommen und mir dann gegeben, damit ich es ihm nach der Stunde zurückgeben könne. Er fing mich schon vor der Stunde auf dem Gang ab. Sein Handy.... er erwarte einen wichtigen Telefonanruf, ....die Schwester sei im Krankenhaus und würde operiert. Ich wollte ihm entgegenkommen und bot ihm an, es ihm in der Pause zurückzugeben, wenn er es mir dann wieder geben würde, woraufhin er nur noch wütender wurde, ... dann eben nicht.

In der Stunde tat er nicht einen Schlag, .... nichts... gar nichts.
Schmollte wie ein Kindergartenkind. Ich versuchte es ein paar mal mit vorsichtigen Aufforderungen, .... NÖÖ!
Und wir sollten uns nur vorsehen....wenn da auch nur ein Kratzer auf dem Handy ware, dann würden wir es aber mit seinen Anwälten zu tun kriegen. Das wäre eine 300 €-Handy und wir würden ihn wohl nicht ernst nehmen,...aber da sollten wir uns mal nicht vertun. Ich warf ein, dass da doch gar kein Kratzer drauf wäre und nun auch nicht mehr draufkommen würde, das interessierte nicht. Er solle doch ein bisschen arbeiten, es wäre doch schade um die Note. Alles half nichts. Nun gut, man kann niemanden zwingen.
Dann versuchte ich es mit dem Problem an sich. Überraschenderweise ließ er sich hier auf ein Gespräch ein, auf ein ungewöhnlich offenes Gespräch, ... und das, wo alle anderen dabei waren (wir waren nur 7 und sie rechneten alle ganz brav) und zuhören konnten.
Nun, er fühlte sich ungerecht behandelt, da er auf dem Handy nur kurz die Uhrzeit abgelesen hatte. Und da er sich ungerecht behandelt fühlte, wurde er wohl etwas pampig zu der Kollegin. So pampig, dass sie es als Bedrohung bezeichnete. Und nun saß ihm die Angst im Nacken, dass er Ärger kriegen würde und womöglich rausfliegen würde. Er erzählte, dass er schon  ein Antiaggressionatraining machen würde und dass er im Vergleich zu früher jetzt schon sehr kontrolliert sei. Und dass es ihm im Moment richtig gut gehen würde. Er hätte alle seine Sozialstunden abgearbeitet und die noch ausstehenden Sachen vor Gericht würden wahrscheinlich gut ausgehen. Von Entschuldigung wollte er nichts wissen, ..er fühlte sich ja im Recht...., ich konnte ihn trotzdem beruhigen, dass niemand Interesse daran hätte ihn rauszuschmeißen und dass wir seine Fortschritte durchaus bemerken würden.
Tja, man darf gespannt sein, was mich nächsten Donnerstag erwartet.

Küsse und Umarmungen

*kicher*
Hm... eigentlich ist das kein klassisches Thema für diesen Blog, aber beim Stöbern durch die Blogs bin ich auf ein Kussthema gestoßen und dazu viel mir dann doch ein ganz bestimmter Kuss ein *gg*

Also, die Jugend liebt es ja derzeit wieder, sich zur Begrüßung zu umarmen und zu küssen... besonders unter den Türken ist das beliebt, egal ob Mädchen oder Jungen. Na ja, und wenn sie ihre Lehrerin mögen, dann passiert das schon mal... *gg* Natürlich nicht im Alltagsgeschehen, aber in besonderen Situationen, nach einer Party... oder bei der Übergabe eines Wichtelgeschenkes oder eben am Ende des Schuljahres... beim Abschied. So bin ich es durchaus gewöhnt, auch mal umarmt und mit der Andeutung eines Kusses bedacht zu werden.

Aber bei der letzten Abschlussklasse kam es dann doch schon etwas ungewöhnlich.
Zunächst "feierten" sie ihren Ausstand bei brüllender Hitze "feucht-fröhlich" auf dem Schulhof, so dass ich mich nur entscheiden konnte, ob ich allein im Klassenraum oder gemeinsam mit den Schülern auf dem Schulhof sein wollte. Ich entschied mich dann für das Letztere. Wobei das meiste "Feuchte" doch tatsächlich Wasser war, um hier nicht zu wilden Spekulationen beizutragen. Und es war so heiß, dass man das Wasser gleichermaßen äußerlich wie innerlich anwendete,...kaum einer war noch trocken.... außer mir. Und ich muss sagen, ich war richtig neidisch.
Es gab zwar schon immer verstohlene Blicke und Getuschel, aber so richtig trauten sie sich doch nicht. Irgendwann machte ich dann mal eine Andeutung, dass ich durchaus auch eine Abkühlung vertragen könnte... "Och, dass können Sie haben", sagte die mit der größten Klappe, an der wirklich überhaupt nichts mehr trocken war, ..umfasste mich und drückte sich flächendeckend an mich. Ja..., einmal angefeuchtet, kam auch schon die Flasche Wasser, die sich über meinem Kopf leerte... und dann ging's mir besser. Yeah...

Bei der Zeugnisübergabe bekamen sie dann neben ihrem Zeugnis eine Rose und einen warmen Händedruck und dann geschah es... Ein Mädchen, das nie besonders anhänglich war, eher unauffällig und zurückhaltend..., drückt mir einen feuchten Schmatzer auf die Wange... öö... da hab ich aber geguckt. 
Nette Erinnerungen...  

Babybedenkzeit

In der nächsten Woche haben wir ein Projekt laufen, bei dem man ein sogenanntes Elternpraktikum machen kann. Heute war die Frau von der Beratungsorganisation da und hat das Projekt vorgestellt. Wer möchte, kann für 3 Tage und 4 Nächte eine realistisch nachgebaute Babypuppe bekommen und muss diese die entsprechende Zeit nach deren Bedürfnissen versorgen. Die Puppen sind 50 cm groß und 3 kg schwer, wie ein Neugeborenes halt. Es sind komplizierte Computer, die Verhaltensprogramme echter Babys eingespeichert haben. Sie tun das, was Babys tun, wenn sie etwas brauchen...sie schreien. Sie schreien, wenn sie gefüttert werden wollen, wenn sie gewickelt werden wollen, ...auch ein Bäuerchen müssen sie machen und sie schreien auch manchmal nur, wenn sie getragen werden wollen. Es gibt einen Computerchip in einem Armbändchen, was man während dieser Zeit tragen muss, ..damit identifiziert man sich bei der Puppe und dann spricht sie auf die Versorgung an. Es geht also nicht, Mama das Pseudobaby in die Hand zu drücken. Versorgt man die Puppe nicht innerhalb von 2 Minuten, wird das als Vernachlässigung aufgezeichnet. Und noch etwas gibt es.. der Kopf ist genauso labil wie bei Säuglingen, muss gehalten werden, anderenfalls wird es als Misshandlung registriert. Klingt sehr dramatisch, nicht wahr? Ich bin sehr gespannt, wie die ersten Erfahrungen sind.

Heute haben die Schüler Einverständniserklärungen bekommen, die sie von den Eltern unterschreiben lassen müssen, schließlich kommen da möglicherweise 4 anstrende Nächte auf sie zu und einen Vertrag müssen sie unterschreiben, dass sie das Baby in dieser Zeit wie ein echtes behandeln. Es ist halt ein bisschen steif, aber sonst recht realistisch. Am Montag werden dann die Puppen ausgeteilt an diejenigen, die es bis dahin immer noch wollen. heute haben sich 12 gemeldet. Sie bekommen dazu Wechselkleidung, Windeln (mit Computerchip) und einen Maxicosi, in dem das Baby notfalls auch schlafen kann. Besser ist natürlich ein Bett oder Korb.

Während der Schule sind die Puppen ausgestellt, ...sind sozusagen in Tagespflege. Sie sind so programmiert, dass sie sich wieder einstellen, wenn die Schüler nach Hause kommen. Wir werden in dieser Zeit möglichst viele Aspekte zu dem Thema besprechen. Das Interesse war sehr groß und es kam auch schon ein gutes Gespräch über Sinn und Zweck dieser Aktion zustande. Die Frau hatte eine Zeitung mitgebracht, in der auf einer Seite 4 kleine Artikel über Kindesmisshandlungen und Tötungen abgedruckt waren und daneben, in Großaufmachung, ein Bericht über den Eisbär Knut. Das verdeutlichte sehr anschaulich, welchen Stellenwert diese Meldungen mittlerweile haben. Es ist schon so normal geworden, das es nicht mal mehr eine Schlagzeile wert ist. .... Traurig.

Babybedenkzeit ... es geht los

Also, ... heute morgen kam dann die Frau von der Beratungsstelle und brachte die gewünschten Babypuppen. Von den 12 Interessenten, die sich Freitag gemeldet haben, sind gerade mal 3 übriggeblieben. Ein schwaches Bild... ich war sehr enttäuscht, dass es so wenig Resonanz fand. Immerhin hat sich eine weitere Schülerin während der Ausgabe noch dazu entschlossen, doch eine zu nehmen, so dass es nun 4 sind, aber ich finde das schon sehr mager.
Als Grund wurde die Sorge davor genannt, dass Hund oder Katze sich an dem Baby vergehen könnte, Fahrstunden spielten eine Rolle und zur Zeit ist gerade Kirmes... Ich weiß ja nicht, ob das nicht auch für einige ein Grund gegen diesen Versuch war. Wie auch immer. Die 4, die sich jetzt dazu durchgerungen haben, bekamen ihre Puppen, wurden mit dem Chip zur Identifizierung ausgestatten und konnten noch ein bisschen üben, wie was zu machen war und  konnten sich dann noch Welchselkleidung aussuchen.  Sie hatten ihren Spaß, wie übringens die nicht beteiligten Schüler auch. Ich hatte einen Fotoapparat dabei und so wurde ausführlich posiert.
Mal schauen, wie die Gesichter morgen aussehen : D

Eindrücke