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...räkel...

Das geilste an den Ferien... ich kann bis 3 Uhr aufbleiben ohne am  nächsten Tag um 6 Uhr raus zu müssen...

Hoppla, ... ein rotes Wort *gg*

Bonjour Tristesse

Liebe

Jeden Morgen steh ich auf
und seh meine Blume
wie sie blüht.
Jeden Morgen denke ich daran
wie wird es weitergehen
so mit mir
Liebe ist das
nach dem ich mich sehn
doch
man gewährt sie mir
hier drinnen nicht.
Liebe die ich brauche
um weiter zu leben
vorenthält man mir.

irgendwann komme ich hier raus
und frage die Gesellschaft
was habt ihr getan
Morgen flipp ich aus
und dann wundert ihr euch
über mich
Ich bin auch nur ein Mensch


genauso wie ihr
ich brauch genau das selbe
das euch am Leben hält
und das ist
Liebe!!!

(Rainer Seibt, 1981)
aus Bonjour Tristesse ... Knastliteratur, veröffentlich durch den Kreis 74, Bielefeld

noch mal Knastliteratur...

Die in den Texten der Gefangenen beschriebenen Erfahrungen mit der Isolation weisen auf ein alarmierendes Defizit des Strafvollzugs hin. Dieser wird dem Stellenwert der Kommunikation um Kontext von Resozialisierung nicht annähernd gerecht. 
§2 Strafvollzugsgesetz: "Im Vollzug der Freiheitsstrafe soll der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen (Vollzugsziel)"

Frage: Wie soll der Gefangene lernen, "soziale Verantwortung" zu übernehmen, wenn ihm die wichtigste Grundlage dazu - der Kontakt zu seinen Mitmenschen - entzogen wird? In einem auf Isolation ausgerichteten Strafvollzug wird der Gefangene nicht resozialisiert, sondern auf Dauer entsozialisiert.

"Wir haben keine verstümmelnden Leibesstrafen mehr, aber wir haben in der Freiheitsstrafe eine Strafe, die das Leben verstümmelt" (Gustav Radbruch)

Die Gefangenenautoren setzen sich dagegen nachdrücklich zur Wehr. Schreibend erkämpfen sie sich Freiräume, in denen sie ihre Erfahrungen mit der Isolation ausdrücken und anderen mitteilen. "Schreiben, um zu überleben" - dieses ehrgeizige Programm vermögen sie nicht immer einzulöen.

Aber: Von der Gefangenenliteratur geht ein ungebrochenes Vertrauen in die Machbarkeit individueller und gesellschaftlicher Veränderung aus. Insofern vermag sie langfristig - vielleicht - festgefahrene Denkstrukturen aufzulösen und ein neues Bewusstsein der Verantwortung eines/einer jeden für ein freiheitliches und menschenwürdiges Zusammenleben zu schaffen. Daran mitzuwirken, könnte die Aufgabe des neuen Jahrunderts, des neuen Jahrtausends sein - für uns alle...

(aus Bonjour Tristesse, Kreis 74)

 

Kontrolle

Alles was ich hatte nahm man mir
Mein Mut, meine Hoffnung meine Kraft
Ich fühle mich leblos,
wie ausgelöscht
Wo bin ich?
Wo ist mein Leben?
Der Tod ist die einzige Rettung
Doch ich darf es nicht
Ich muss stark sein, sagt ihr
Ich bring mich um
Versteht ihr nicht?
Ich töte mich
Perfekt soll ich sein
Doch ich bin ein Monster sagt ihr
Ihr habt mein Leben unter Kontrolle
Und was habe ich?
Meine Todessehnsucht und den Wunsch
Endlich frei zu sein...

Rahmenbedingungen...

Ich bleibe noch ein bisschen beim Knast, ... lese im Moment sehr viel darüber und verschaffe mir ein wenig mehr Hintergrund. Hier ein Eintrag eines Gefangenen aus Knastnet.de:

Ich muste 2 Jahre in diesem Stall verbringen. Entschuldigt die Ausdruckweise aber die Orte an denen man Tiere hält, nennt man nun mal so. Da die Unterbringung dort nichts menschliches an sich hat, trifft die Bezeichnung wohl auch hier zu. Drogen jeder Art und in beliebiger Menge, fährt man dort quasi mit der Schubkarre durch die Gegend. Als Nichtkonsument ist man sowas wie ein Alien, vor allem für die "Beamten". Dort geht gar nichts.
Wer vorher noch nicht ganz kaputt war, der wird es dort gemacht. Das Strafvollzugsgesetz hat in diesen Stall, keinen Weg gefunden. So ist dieser Stall ein quasi rechtfreier Raum. Ein Land, das Menschen, auch wenn sie Gesetze verstoßen haben, so behandelt, hat die Bezeichnung Rechtstaat, nicht verdient.

Besuchstermine gibt es bis zu 4mal pro Monat jeweils 45 Minuten, nach vorheriger Bewilligung. Pakete dürfen 3mal pro Jahr empfangen werden, zu Weihnachten, zu Ostern und einem anderen Termin, beispielsweise dem Geburtstag. Das Gewicht darf 3 bzw. 5 kg betragen und muss eine Liste mit dem Inhalt enthalten. Natürlich ist damit zu rechnen, dass es kontrolliert wird, ebenso wie die Post, die hinein und heraus geht.

Wer sich über längere Zeit gut einfügt, darf eventuell arbeiten. Arbeit ist ein Privileg, dass man sich erst erwerben muss. Die Bezahlung liegt bei ca 150 € im Monat, davon muss die Hälfte gespart werden, die andere Hälfte darf im Hausverkauf verwendet werden. Zu den Besuchsterminen darf der Besucher 11 € mitbringen, für die an den Automaten im Besuchsraum Süßigkeiten, Getränke oder Tabak/Zigaretten gekauft werden dürfen.

Bei guter Führung, wird der Besitz eines Radios oder Fernsehers genehmigt, bei Verstößen aber sofort wieder entzogen. Wird jemand mit Geld oder einem Handy erwischt, kommt er in verschärfte Einzelhaft. Handys sind offensichtlich, ebenso wie Drogen, sehr weit verbreitet. Es geht also wohl nicht darum, keines zu besitzen, sondern damit nicht aufzufallen. 

Eine Stunde am Tag ist Freigang, alternativ kann man auch andere Gefangene in ihren Zellen besuchen. Ansonsten bedeutet ein Knasttag, sofern man nicht arbeitet... 23 Stunden allein auf 5-7 m² zu hocken. Ob eine Unterbringung in einer Sammelzelle ein Vor- oder Nachteil ist, hängt wesentlich von den Mitinsassen ab. In der nächsten Woche habe ich mich dafür angemeldet, einen Tag einen Beamten dort zu begleiten. Ich bin sehr gespannt.